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Umweltschutz in Afrika – eine andere, afrikanische Sichtweise.....
 
01. 08. 2020
 
Leider ist dieser eigentlich nicht ganz schlechte Artikel doch sehr tendenziell aus der heutigen Umweltschutzsichtweise der Ideologen geprägt – halt aus westlicher, hier speziell europäischer Sicht.
 
Das Problem dabei ist, diese Sichweise kann keinen Anspruch für sich auf Ausschließlichkeit wie Wahrheit anmelden, weshalb es ja auch so wichtig ist, Stimmen von Denen zu hören, über die hier wieder einmal der Gutmensch- wie Besserwissermensch des Westens, entscheiden will. Wobei man aber auch sehen sollte, die falschen Entwicklungspolitiken der Vergangenheiten, die bis heute nicht wirklich behoben sind, werden um ein weiters Problem gestärkt, was letztendlich einen afrikanische Umweltschutz untergräbt, das die westlichen Großkonzerne wie neuerlicher Zeit auch China, sich einen deut um derartige Probleme scheren.
 
Umweltschutz in Afrika „Naturschutz ist der neue Kolonialismus“
Der kenianische Ökologe Mordecai Ogada macht sich keine Freunde: Wissenschaftler nennt er Prostituierte, NGOs Piraten – und Umweltschutz in Afrika ist für ihn vor allem ein verlogenes Machtinstrument

 
Roman Pawlowski
Den Büffel im Zoologischen Museum Hamburg hat einstmals ein Großwild­jäger erlegt. Noch immer verkaufe die Tourismusbranche Afrika als ein koloniales Erlebnis, sagt Ogada
GEO: Dr. Ogada, Sie haben das Buch „Die große Naturschutz-Lüge“ geschrieben. Wer lügt?
Mordecai Ogada: Naturschutz präsentiert sich bei seinen Spendern im Westen als friedlich und linksliberal. Im Globalen Süden aber trägt er grüne Uniformen, ist elitär, gewalttätig und oft rassistisch. Eine rechte Agenda, die mit Geldern von Linken durchgesetzt wird: Das ist die größte Lüge.
Das sind schwere Vorwürfe.
Ich habe Umweltschutz in Afrika von innen gesehen. Vieles von dem, was ich sage, stammt aus eigener Erfahrung. Ich habe mehr als 18 Jahre als Biologe für NGOs gearbeitet.
 
Trotzdem beklagen Sie in Ihrem Buch eine „Apartheid im Naturschutz.“ Warum?
In Kenia und im Großteil von Afrika werden Naturschutzprojekte von Weißen geleitet.
Aber es gibt doch viele schwarze Wissenschaftler in diesen Projekten.
Ja, man kann mitmachen, aber nicht als Entscheidungsträger. Wenn Sie die Position eines Direktors erreichen, merken Sie plötzlich, dass Ihnen Entscheidungen aufgezwungen werden von Menschen, die weniger qualifiziert sind und oft weiß. Darauf ist das ganze System ausgerichtet, zumindest in Kenia. Wer schwarz und qualifiziert ist, kommt sehr gut durch – solange er sich der weißen Struktur anpasst.
Kenia ist seit 56 Jahren unabhängig. Was soll diese weiße Struktur sein?
Naturschutz in Afrika folgt bis heute den Regeln der Kolonialzeit: Haltet schwarze Menschen fern von der Natur, damit weiße Menschen sie genießen können. Bis heute hat noch kein Minister, kein Staatspräsident, kein Leiter der Naturschutzbehörde versucht, dieses System zu durchbrechen. In Kenia kontrollieren Schwarze die Banken, die Wirtschaft, das Bildungs­system. Aber wenn jemand etwas über ­Naturschutz in Afrika wissen will, dann fragt er einen Weißen.
Wen denn?
Als der Kongress der Vereinigten Staaten über Wilderei an Elefanten in Kenia beriet, hat er Iain Douglas-Hamilton eingeladen. Er ist Brite. Gab es keinen Kenianer, der etwas über Elefanten in Kenia wusste?
Hamilton ist ein preisgekrönter Zoologe und Elefantenschützer. Ist das wirklich ein Beweis für Rassismus im Naturschutz?
Es beginnt doch schon bei der Sprache: Wir nennen es Wild, wenn Weiße es essen, aber Bush­meat, wenn es Schwarze tun. Oft handelt es sich um dieselbe Tierart.
Ob Wild oder Bushmeat – in Kenia ist die Jagd seit 1977 für alle verboten.
Das stimmt. Aber 2018 haben weiße Tourismus- Investoren die Regierung um eine Genehmigung gebeten, für teure Restaurants Tiere schießen zu dürfen. Und eine Arbeitsgruppe des Ministers ist bizarrerweise zu dem Schluss gekommen, dass man das erlauben sollte. Bisher ist das nicht umgesetzt worden. Aber es ist doch verrückt, dass ­jemand es für politisch tragfähig hält, den Tou­risten Impala-Steak zu servieren, während ein schwarzer Dorfbewohner erschossen wird, wenn er bloß den Nationalpark betritt.
Erschossen? Jetzt übertreiben Sie.
Es ist noch nicht lange her, da war Kenia wie ein Polizeistaat, sehr brutal gegenüber Oppositio­nellen. Wir haben immer Druck bekommen, vor allem aus Europa: Respektiert die Menschenrechte! Seit 2010 haben wir eine neue Verfassung, die viele dieser Rechte garantiert. Aber wenn jemand verdächtigt wird, ein Wilderer zu sein, erschießt man ihn einfach. Und wir bekommen keinen Druck aus Europa und den USA mehr. Im Gegenteil, wir hören: „Gute Arbeit!“ In Kenia nehmen wir Räuber, Kidnapper, Mörder fest und stellen sie vor Gericht. Aber Wilderer erschießen wir. Manchmal trifft es jemanden, der einfach nur durch ein Schutzgebiet läuft. Naturschutz lässt diese Rechtsbrüche normal werden und kommt damit durch. Es ist wie Zauberei.
Wie erklären Sie sich diese Magie?
Naturschutzorganisationen geben Millionen dafür aus, ihre romantische Botschaft an die Leute zu bringen: die Geschichte von weißen Heilsbringern, die die Tierwelt in Afrika retten – und zwar vor den Afrikanern. Diese Erzählung stammt aus dem 19. Jahrhundert. Und niemand hat sich bis jetzt eine andere einfallen lassen.
Aber es ist doch unbestritten, dass Kriminelle in Afrika Elefanten töten, Nashörner, Löwen.
Organisierte, kommerzialisierte Wilderei hat das Potenzial, unsere wilden Tiere auszurotten. Es gibt einfach nicht genug Elefanten, um all die Menschen zu befriedigen, die Elfenbein wollen. Die meisten von denen wohnen übrigens außerhalb Afrikas. Deshalb müssen wir kommerzialisierte Wilderei einschränken.
Aber Sie wollen doch nicht, dass auf Wilderer geschossen wird?
Ich wehre mich gegen die Auswüchse. Gegen dieses Narrativ, dass Naturschutz in Afrika Krieg bedeutet. Dass wir bereit sein müssen, zu töten. Manche Ranger sagen Dinge wie: Ich werde diese Gorillas mit meinem Leben beschützen. Zur ­Hölle, nein! Du hast eine Frau und Kinder, warum würdest du für einen Gorilla sterben?
Im Nationalpark Virunga im Kongo sind seit 2006 mehr als 150 Ranger getötet worden. Erst Ende April haben Rebellen dort zwölf Ranger und fünf Zivilisten erschossen.
Ja, Virunga. Das ist ein grauenhafter Ort. Der Vorfall im April hat für mich nichts mit Naturschutz zu tun, auch wenn es so dargestellt wird. Er zeigt vielmehr, wie Menschen zu Zielscheiben von Kriminellen werden, wenn man sie mit Uniformen und Waffen ausstattet, ohne dass sie staatliche Befugnisse hätten.
Aber dort sind doch Wilderer ­unterwegs.
2007 wurden dort diese Gorillas getötet, erinnern Sie sich? Getötet und einfach liegen gelassen, wie eine Botschaft.
Der korrupte Parkleiter war in illegale Holz­geschäfte verwickelt und hat sie als Warnung an seine eigenen Ranger erschossen.
Ja, sie wurden Opfer eines Konflikts zwischen Menschen. Aber das Schlimmste an dieser Sache war: Zur selben Zeit galt Virunga als weltweit einer der schlimmsten Schauplätze von Vergewaltigungen. Hunderte Frauen wurden jeden Tag vergewaltigt, Kinder getötet. Und nichts davon hat es in die Nachrichten geschafft. Nur die sechs toten Gorillas. Und das ist so grundsätzlich falsch.
Sind wir bereit, Naturschützer zu bewaffnen, weil die Bedrohung so groß ist?
Nicht nur. Vielleicht die erfolgreichste Lüge im Naturschutz ist die, dass sich internationale Terroristen mit Elfenbeinhandel finanzieren. Es gibt keinen Beweis dafür. Aber Naturschützer haben die Regierung der USA davon überzeugt, und das hat die Schleusentore geöffnet.
Was meinen Sie damit?
Geld aus Anti-Terror-Budgets fließt in den Naturschutz. So viel, dass private Sicherheitsunternehmen nach Afrika kommen. Typen, die vorher für das amerikanische Militär im Irak oder in Afghanistan gearbeitet haben. Keiner dieser Leute ist in Polizeiarbeit ausgebildet. Alles, was sie können, ist töten. Sie kommen nach Afrika, um Menschen zu töten. Weil es zu viel Geld gibt.
Aber ausreichend Geld für den Naturschutz kommt doch den Tieren zugute.
Nein. Das Geld macht einige Leute sehr reich. Diese Organisationen zahlen hohe Gehälter. Sie kaufen Waffen, Munition und Helikopter. Sie bauen eine Art Parallelregierung auf, inklusive Sicher­heitsorganen. Manche NGOs in Ost- und Zentral­afrika unterhalten bewaffnete Milizen, die über Grenzen hinweg operieren. Etwas, was staatliche Behörden nicht dürfen. Und damit haben sie die Großspender in eine Falle gelockt.
Was meinen Sie damit?
Sie sagen: Wir haben mit euren fünf Millionen Dollar 100 Leute bewaffnet, drei Hubschrauber gekauft. Dieses Jahr brauchen wir wieder fünf Millionen Dollar, um diese Miliz zu bezahlen. Die Spender haben ein Monster erschaffen und müssen es füttern. Wenn man denen einfach das Geld streicht, dann werden einige von ihnen kriminell, werden Räuber, Wilderer, Viehdiebe. Sie haben jetzt Waffen und eine taktische Ausbildung.
Was ist die Lösung?
Wir brauchen NGOs. Aber wir dürfen ihnen kein Geld für Waffen geben. Wenn wir Umweltverbrechen in Kenia verhindern wollen, müssen wir das Geld der kenianischen Umweltschutzbehörde geben. Viele dieser westlichen Milliardäre haben von Naturschutz keinen blassen Schimmer. Und sie können Spenden von der Steuer absetzen, also schmeißen sie diese NGOs mit Geld zu.
Private Projekte übernehmen aber doch an vielen Orten Aufgaben, die der Staat nicht ­leisten kann. Was soll daran schlecht sein?
ch habe in Kenia gesehen, wie NGOs in eine Gemeinschaft kommen, und alles gerät durch­einander. Sie bringen Geld mit, sie kaufen sich ­Zustimmung, sie verteilen Posten. Dann gehören ­einige dazu und andere nicht. Und plötzlich ist ­jemand tot.
Viel Geld fließt in Nationalparks. Finden Sie die auch schlecht?
Schutzgebiete sind ein unglaublich primitives und gewaltsames Mittel des Naturschutzes.
Aber wir brauchen doch Orte, an denen Tiere ungestört leben können.
Wir sollten die behalten, die wir haben. Aber wir sollten nie wieder einen neuen Yellowstone- Park erschaffen, nie wieder eine neue Serengeti. Einen Nationalpark zu gründen, verletzt die Souveränität der Menschen, die dort leben.
Der Evolutionsbiologe E. O. Wilson hat sogar vorgeschlagen, die Hälfte der Erdoberfläche in ein menschenfreies Schutzgebiet zu verwandeln.
Niemand fragt ihn: Und was machen wir mit den Leuten, die in dieser Hälfte der Welt leben? Bringen wir sie nach Europa? In die USA? Erschießen wir sie? Ich weiß, die Artenvielfalt wird nicht in New York oder London oder Hamburg gerettet. Sondern in Afrika. Es ist unglaublich, dass diese Idee Anhänger gewinnt. Eines Tages wird jemand versuchen, sie umzusetzen, und er wird es mit Gewalt tun müssen. Anders kann man Menschen ihre Heimat nicht nehmen.
Die Wildnis schrumpft weltweit. Schutzgebiete sind bedroht, von wachsenden Städten, illegalem Holzeinschlag, Ölbohrungen.
Dafür müssen wir Lösungen finden. Aber was wir derzeit machen, ist so primitiv. Leute mit Doktortitel, denen nichts anderes einfällt, als Zäune zu ziehen. Wir wissen alle, dass Zäune zu Konflikten führen. Denken Sie an die Berliner Mauer.
Vergleichen Sie ernsthaft einen Zaun gegen Kühe mit der Berliner Mauer?
Diese Zäune sollen Menschen fernhalten. Im Norden Kenias hat eine NGO ein Schutzgebiet für Nashörner eingezäunt. Dort gibt es gutes Weideland und dauerhaft Wasser. Die Gegend ist sehr trocken, also ist Wasser sehr wichtig. Wegen des Zauns können aber die Menschen dort ihre ­Herden nicht mehr tränken. Sie zerschneiden den Zaun und werden verhaftet. Das ist ein Konflikt, den es ohne Zaun nicht gäbe. Naturschutz ist nicht nur Biologie. Er ist Soziologie, Geschichte, Politik, ­Anthropologie. Diese Nashörner leben nicht auf einer einsamen Insel. Und somit trägt die Wissenschaft zur Apartheid bei.
Sie reden schon wieder von Apartheid.
Die Wissenschaftler tun so, als ob Afrikaner nicht existieren. Ich habe meine Masterarbeit dar­über geschrieben, wie man die Zahl der Viehrisse durch Löwen und Hyänen verringern kann. Mein amerikanischer Vorgesetzter sagte mir: Du hast einen Abschluss in Ökologie von Raubtieren. Hör auf, mir zu erzählen, was die Massai mit ihren Rindern machen.
Die Hirten sind bei Konflikten mit wilden ­Tieren allerdings ein wichtiger Bestandteil.
Ja, und am Ende fanden wir heraus, dass ­kleine Dinge einen großen Einfluss hatten. Etwa, ob Hirten Hunde einsetzten. Aber nicht, wie viele Impalas in der Gegend lebten. Wir tun so, als könnten wir zum Beispiel die Ökologie von Löwen und Zebras untersuchen, ohne die Menschen zu betrachten. Menschen sind seit Millionen von Jahren ein Teil der Landschaft in Ostafrika. Das ist eine weitere Lüge, die uns im Globalen Süden hart trifft: Unsere Anwesenheit in diesen Lebensräumen sei nicht natürlich.
Aber es gibt doch tatsächlich ­regelmäßig Konflikte zwischen Hirten und Wildtieren.
Viehzucht ist der einzige Grund, warum wir noch offene Savannen haben. Warum so viele Gebiete in Kenia nicht eingezäunt sind. Wild lebende Tiere nutzen die Pfade der Viehherden. Würden wir die Viehzucht abschaffen, wie Naturschut­z­organisationen das versuchen, dann würde das Land aufgeteilt und eingezäunt werden. Naturschutz sollte sich darüber definieren, welche Arten wir bewahren wollen, welche Ökosysteme. Nicht über geografische Gebiete. Denn die werden zu Mikrokolonien.
Sie nennen diese Gebiete Mikrokolonien, andere sagen, dass die Zäune vor Überweidung schützen.
Überweidung ist ein Problem. Aber sie liegt dar­an, dass Naturschützer die Bewegung unterbunden haben. Das Überleben dieser Menschen und die Gesundung der Landschaft hängen davon ab, dass sich die Herden frei bewegen können. Viele dieser Areale, aus denen das Vieh verdrängt wurde, beginnen zu leiden. Das Gras wird hart, das mögen auch die Wildtiere nicht. Also ziehen sie in die Nähe der Dörfer, wo das Gras frisch ist.
Und das führt wieder zu Konflikten.
Die Leute beschweren sich: Ihr habt gesagt, wir dürfen dort drüben nicht hingehen, weil das für Wildtiere ist. Aber jetzt kommen die Wildtiere in unsere Dörfer. Falls es eine Zauberformel gibt, um die Probleme mit Naturschutz in Ostafrika zu lösen, dann ist es Viehzucht.
Nicht eher Tourismus?
Zunächst: Tourismus kann immer nur Nebenprodukt von Naturschutz sein, nicht der Grund dafür. Wir erleben gerade, wie gefährlich es ist, Menschen vom Tourismus abhängig zu machen. Wegen Covid-19 kommt niemand mehr, und ­viele Dörfer in Kenia sind auf Lebensmittelhilfen angewiesen. Die Ranger dagegen patrouillieren immer noch, sie werden von der Regierung bezahlt. So viel zur Behauptung, dass der Tourismus den Naturschutz finanziert.
Lehnen Sie Tourismus grundsätzlich ab?
Nein. Aber wir müssen ihn neu erfinden. Die Tourismusbranche in Kenia verkauft Urlaub immer noch als „Jenseits von Afrika“.
Die koloniale Erfahrung.
Ohne schwarze Menschen. In den Anzeigen sieht man weiße Touristen, Savanne bis zum Horizont und keine Menschen. Sie lassen mit Photo­shop Dörfer verschwinden und preisen ein ­Produkt an, das nicht existiert. Echte Wildnis gibt es in Afri­ka vielleicht in Namibia. Dort hat Apartheid die Gegend entvölkert. Aber in Kenia oder Tansania gehören Menschen dazu. Das Schönste, was es für mich da draußen gibt, ist eine Herde ­Elefanten, und daneben ein Junge mit einer Herde Ziegen, und sie tun sich gegenseitig nichts.
Viehhirten wie die Samburu sind eine Sache. Aber auch Konzerne eignen sich doch in Afrika Land an, wandeln Wald in Plantagen um.
Die einfachste Methode, um an Land zu kommen, ist heutzutage Naturschutz. Wenn man das Vieh wegnimmt, bekommt man das Land. Für einen Samburu sind Rinder Teil seiner Identität. Wenn er keine Rinder mehr hat, wird er aus Samburu fortziehen. Es geht um Geopolitik, um Macht. Naturschutz ist der neue Kolonialismus. Früher nahm man den Afrikanern das Land mit Gewalt ab. Heute ist das nützlichste Werkzeug, um an Land zu kommen, ein Nashorn.
Warum ein Nashorn?
Wenn Sie ein Nashorn haben, dann bekommen Sie sofort ein paar Tausend Hektar Land. Sie bekommen eine Genehmigung für Waffen, um es zu bewachen. Und Sie erhalten jede Menge Geld, denn Schutzprogramme für Nashörner gehören zu den am besten finanzierten der Welt.
Das Spitzmaulnashorn ist vom Aussterben­ bedroht. Alles, was diesen Tieren hilft, ist doch begrüßenswert.
Die Nashörner werden hin- und herbewegt, etwa durch die NGO in Nordkenia, von der ich sprach. 2018 sind nach einer anderen Umsiedlungsaktion alle elf Tiere gestorben. Wir haben einen schweren Verlust erlitten.
Sie nennen NGOs „Piraten“.
Ich habe Leute weinen sehen, wenn man ihnen Beweise zeigt für die Taten dieser Organisationen, dieser „Helden“. Es ist so, als würde man einem Christen beweisen, dass Gott nicht existiert.
Was ist die Lösung?
Wir müssen Naturschutz völlig neu denken. Wir können nichts dekolonialisieren, was auf einer kolonialen Struktur beruht. Alles, was ein Weißer über Naturschutz in Afrika sagt, wird als Wahrheit angenommen. Wir akzeptieren keine Lügen von unseren Bankern. Wir akzeptieren keine Lügen von unseren Lehrern. Aber beim Naturschutz sagen wir: Es ist eine Lüge, doch sie ist für einen guten Zweck.
Von welchen konkreten Lügen sprechen Sie?
Es gibt Organisationen, die behaupten, dass alle 15 Minuten ein Elefant in Afrika getötet wird. Und dass es bis 2025 keine Elefanten mehr in Freiheit geben wird. Das ist eine Lüge. Rein rechnerisch ist das gar nicht möglich.
Sie sagen, Elefanten seien nicht bedroht?
Doch. Aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass keines der afrikanischen Länder, in denen es heute Elefanten gibt, sie in den nächsten 50 Jahren verlieren wird.
Damit widersprechen Sie dem wissenschaft­lichen Konsens. Eine große Studie, der Great Elephant Census, ist zu alarmierenden Ergebnissen gekommen.
Stellen Sie sich 100000 tote Elefanten vor. Die kann man nicht verstecken. Wo sind die Kadaver? Paul Allen, einer der Microsoft-Gründer, hat Millionen für diese Studie ausgegeben. Und die Wissenschaftler haben ihm geliefert, was er hören wollte. Es sind Prostituierte.
NGOs sind Piraten, Ihre ­Kollegen in der Wissenschaft Prostituierte – wollen Sie jeden beleidigen, dem die Tierwelt in Afrika am Herzen liegt?
Lassen Sie mich klarstellen: Umweltkriminalität ist ein Problem. Aber wir können es nicht mit Lügen lösen. Diese Leute lügen den Kongress der USA an, sie lügen das britische Königshaus an, sie belügen die deutsche Regierung. Der Naturschutz ist ein Geschäft. Und Umweltschützer sind keine Engel.
Welches Interesse sollten sie ­daran haben, die Lage schlimmer darzustellen, als sie ist?
Die große Organisationen versuchen, eine permanente Krise herbeizureden, um ihre Arbeit zu rechtfertigen. Naturschutz ist das einzige Gebiet, auf dem wir Versagen belohnen. Wir verehren die, die sagen: Seit 40 Jahren kämpfe ich für diese Tierart. Wenn Sie als Ingenieurin 40 Jahre lang an einem Problem arbeiten, ohne es zu lösen, dann verlieren Sie Ihren Job. Aber Naturschützer bewundern wir für ihre Ausdauer. Dabei haben sie 40 Jahre lang nichts gemacht oder das Falsche.
Jane Goodall ist 300 Tage im Jahr unterwegs. Sie setzt sich unermüdlich für Schimpansen ein. Dian Fossey ist für Gorillas gestorben.
.... als junger Student haben mich diese Leute auch inspiriert. Aber im Laufe der Jahre habe ich erkannt, dass ihr Vermächtnis vor allem eines der Eigenwerbung ist. Dian Fosseys Milizen haben Menschen getötet, die sie als Wilderer verdächtigten. Sie wurde aus Rache ermordet, weil sie die Rechte anderer Menschen verletzt hat. Die Gorillas sind 34 Jahre später übrigens immer noch da. Viele messen diese Menschen nach anderen Maßstäben. Und alle Helden in Afrika sind weiß. War­um? Gibt es keine Schwarzen, denen die Natur am Herzen liegt? Warum sind dann in Afrika mehr wilde Tiere übrig als in Europa?
Afrika den Afrikanern überlassen?